WrittenInParis

Gefühle kann man nicht aufhalten, sicher. Steuern kann man sie auch nicht, ja. Aber kontrollieren, wie weit man in sie eintaucht, das kann man.

Ich kann es.

Zwar wird dieser Mechanismus dadurch relativiert, dass es unheimlich wehtut und man sich fühlt, als stünde einem andauernd etwas im Nacken. Als würde etwas gegen deine Rippen pochen, als zerreiße etwas dein Innerstes, weil es so falsch scheint, nicht ehrlich scheint. Aber ich weiß ja um das Gefühl, ich bin ja ehrlich zu mir, ich schütze mich nur.

Es ist hart.

Es ist hart, seinen Verstand walten lassen zu müssen in einer Angelegenheit, die ihn nichts angeht. Es ist hart, zu erfahren, wie viel Macht Reflexion und Intelligenz haben. Im Endeffekt leide ich sicher weniger, auch wenn es jetzt so sehr schmerzt. Es wäre fatal, unter den jetzigen Umständen in mein Gefühl einzutauchen. Dann gäbe es kein Zurück. Je mehr ich mich wehre, desto näher komme ich der Grenze, nach deren Überschreitung es kein Zurück mehr gibt.

Es fühlt sich an wie eine Provokation von meinem Verstand ausgehend an das Gefühl. Ein Hinhalten und Zappeln-Lassen.

Wie lang kann das noch gehen? Es kommt der Tag der Entscheidung. Da wird sich herausstellen, wem ich das letzte Urteil vermache. Dem Verstand oder dem Gefühl.

Diese Urteilsvermachung liegt zwar in meiner Hand, ist jedoch bedingt durch die sich entwickelnden Umstände. Eine echte Kausalität, ja. Das ist das Schlimme daran.

 

Was kann ich tun, damit sich diese Umstände richtig entwickeln, wenn ich doch gar nicht weiß, was richtig ist: Gefühl oder Verstand? Sicher das, was stärker ist. Nun ja, da beginnt der Teufelskreis...

Was ist, wenn die Umstände nicht weitgehend genug von mir beeinflusst werden können? Ich habe Angst, dass über mich hinweg entschieden wird, obwohl ich mittendrin bin. Dass ein Gefüge entscheidet, das für mich unklar aus meinen Handlungen entsteht. Dass ich erst, wenn das Urteil gefallen ist, erkennen kann, was ich hätte machen können. Ich habe Angst vor dem Richtig und Falsch dieser Situation. Vielleicht sollte ich beginnen, meine Vernunft auf die Bekämpfung der Angst zu lenken. Das aber impliziert, dass sie sich um mein Ausgangsgefühl nicht mehr kümmern kann. Ich müsste es zulassen, vielleicht wäre es jetzt noch gar nicht so schlimm, es zuzulassen. Vielleicht würde ich es nicht merken, beschäftigte ich mich mit meiner Angst. Die Angst aber kommt doch erst durch die Auseinandersetzung mit meinem Gefühl.

Es nimmt kein Ende